Kunst- und Kulturlandschaft
Garzweiler
Mit dem Ende des Braunkohleabbaus steht die Region um den Tagebau Garzweiler vor einem tiefgreifenden Wandel. Erst seit Herbst 2023 steht fest, dass fünf westlich des Tagebaus gelegene Ortschaften – Keyenberg, Kuckum, Berverath sowie Unter- und Oberwestrich – entgegen früherer Pläne doch nicht abgerissen werden. Die nahezu vollständig umgesiedelten Dörfer sollen nun neu belebt und in den Strukturwandel eingebunden werden. Um diesen Prozess aktiv zu gestalten, setzt der Zweckverband LANDFOLGE Garzweiler mit dem Projekt „Kunst- und Kulturlandschaft Garzweiler“ ein mehrjähriges Programm um, das Kunst im öffentlichen Raum mit kulturellen Veranstaltungen und Beteiligungsformaten verbindet.
Das Projekt, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und vom Land NRW mit knapp 2,8 Millionen Euro, macht die sich in den kommenden Jahrzehnten stark verändernde Landschaft und die erhaltenen Erkelenzer Dörfer zum Erlebnis. Bis 2029 sollen Kunstwerke, Veranstaltungen und kreative Beteiligungsangebote den Wandel sichtbar machen, neue Perspektiven auf die Tagebaulandschaft eröffnen und die Dörfer am Tagebaurand stärken.
Vision:
Strukturwandel durch Kunst und Kultur erlebbar machen und einen Beitrag zur Wiederbelebung der Dörfer leisten
Künstlerische Schwerpunkte:
Kunstwerke in der Landschaft des Tagebaurands, kulturelle Veranstaltungen in den Dörfern, Residenzprogramm für Künstlerinnen und Künstler
Standorte:
Ortschaften im unmittelbaren Tagebauumfeld und Landschaft am Tagebaurand
Förderphase
November 2025 bis Oktober 2029
Wandel sichtbar machen – mit Kunst und Kultur
„Kunst- und Kulturlandschaft Garzweiler“ setzt auf eine künstlerische und kulturelle Auseinandersetzung mit dem anstehenden Strukturwandel und dem Verhältnis von Mensch und Natur. Eine wachsende Zahl von Kunstwerken in den Orten und im direkten Umfeld des Tagebaus, später auch am entstehenden See, macht die Veränderungen der Landschaft erfahrbar.
Ergänzend sind kulturelle Veranstaltungen in den Orten am Tagebaurand geplant. Formate wie Konzerte, Lesungen oder andere künstlerische Aktionen sollen flexibel auf Entwicklungen im Projektgebiet reagieren. Ein Anliegen ist dabei die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort. Engagierte Bewohnerinnen und Bewohner sowie lokale Vereine und Organisationen werden einbezogen – von der Ideenentwicklung bis zur Umsetzung. So stärkt „Kunst- und Kulturlandschaft Garzweiler“ Identität, Teilhabe und Gemeinschaft in den Erkelenzer Dörfern.
Zentrale Elemente des Projektes
Kunstwerke in der Landschaft
In Keyenberg werden zwei bestehende Gebäude – ein alter Bauernhof und das ehemalige Küsterhaus – zu Atelier- und Werkstatthäusern umgebaut. Dort erhalten ausgewählte Künstlerinnen und Künstler die Gelegenheit, für eine bestimmte Zeit vor Ort zu arbeiten. Die entstehenden Kunstwerke – idealerweise vier bis fünf pro Jahr – werden in den Dörfern und am Tagebaurand ausgestellt. So entsteht ein wachsendes Band von Kunstwerken in der Landschaft – als kulturelles und touristisches Highlight, verbunden mit dem Projekt Blau-Grünes Band Garzweiler. Die Auswahl erfolgt durch einen Beirat, die Umsetzung in einem kuratierten Prozess vor Ort – bevorzugt mit lokalen Handwerksbetrieben. Jährlich ist ein Ausstellungswochenende geplant, auf dem die entstandenen Arbeiten präsentiert werden.

Veranstaltungen als belebender Faktor
Ein Veranstaltungsprogramm mit Konzerten, Lesungen oder Ausstellungen in der entwidmeten Kirche in Keyenberg und an weiteren geeigneten Orten lässt sich kurzfristig entwickeln. Dabei ist die enge Kooperation mit kulturellen Einrichtungen in der Region ebenso wie mit Hochschulen, Vereinen und der Bürgerschaft vor Ort vorgesehen, die bereits in der Projektstruktur angelegt ist. Es ist geplant, dass jeden Sommer ein Ausstellungswochenende stattfindet, an dem Arbeitsergebnisse präsentiert werden. Ergänzend ist auch in Erkelenz-Holzweiler ein Veranstaltungs- und Kulturprogramm vorgesehen. Keyenberg und Holzweiler sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt und werden über das entstehende Blau-Grüne Band Garzweiler verbunden. In Holzweiler entsteht das Dokumentationszentrum Tagebau Garzweiler mit einer Ausstellung zum Landschaftswandel aus Sicht der Menschen. Eine großzügige Wechselausstellungsfläche sowie thematische Führungen, Radtouren und Spaziergänge ergänzen das geplante Veranstaltungsprogramm.

Kunstkolonie Keyenberg
Mittel- und langfristig ist die Ansiedlung von Künstlerinnen, Künstlern und Kunsthandwerk in alten Gebäuden und Bauernhöfen in Keyenberg geplant – verbunden mit einem dezentralen touristischen Übernachtungskonzept. Durch die inhaltlich profilierte und vernetzte Nutzung leerstehender Gebäude entsteht ein weiterer, auch wirtschaftlicher Impuls für die Revitalisierung des Dorfes. So erhält Keyenberg für die Zeit bis zur Nutzung des zukünftigen Sees ab den 2040er Jahren ein neues, überregionales Profil.

Kunstbuch Kirche
Die Kunstbuch Kirche ist eine Präsenzbibliothek mit rund 6.000 Kunstbüchern. Kleine Ausstellungen und Veranstaltungen rund um Kunst und Literatur ergänzen das Angebot in der ehemaligen Herz-Jesu-Kirche und machen sie zu einem Ort der öffentlichen Information, der Begegnung und des Austauschs.
Die Buchsammlung stammt vom Düsseldorfer Kunsthistoriker Professor Raimund Stecker. Sie wurde für eine frühere Verwendung vom Wissenschaftsrat begutachtet. Neben monografischen Büchern zu Künstlerinnen und Künstlern – von A wie Magdalena Abakanowicz über B wie Beuys, L wie Lüpertz, R wie Bridget Riley und S wie Schwitters bis zu Z wie Francisco de Zurbarán – finden sich kleinere Gruppen zur Architektur sowie zur Kunst im öffentlichen Raum und in der Landschaft. Raimund Stecker hat die einzigartige Sammlung im Laufe von mehr als 50 Jahren zusammengetragen. Er hat sie als unbefristete Leihgabe aus Privatbesitz im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit dem Zweckverband in die Kirche in Alt-Kuckum eingebracht.
Anfragen zur Nutzung können per E-Mail an kunstbuch@landfolge.de gestellt werden.



FÖRDERER
Gefördert wurde die erste Entwicklungsphase durch das Bundesprogramm Aller.Land, ein Förderprogramm für Kultur, Beteiligung und Demokratie, das sich an ländliche, insbesondere strukturschwache ländliche Regionen in ganz Deutschland richtet.
ANSPRECHPARTNERIN

WEITERE BILDQUELLEN
Skulpturen: Armin Baumgarten/Silke Farhat


