Entwicklung
des Sees

MASTERPLAN

ZUR NUTZUNG DES SEES

Erste Eindrücke von der Planungswerkstatt

Der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung ist im Rheinischen Revier für 2030 geplant. Damit sind Fragen des Strukturwandels und zur Gestaltung der Landschaften nach dem aktiven Tagebau bereits jetzt sehr aktuell.

Seit den 1990er Jahren sieht der Braunkohlenplan des Landes Nordrhein-Westfalen die Schaffung eines Sees nach Ende des Tagebaus Garzweiler vor. Dieser See wird mit ansteigendem Grundwasser und mit Wasser aus dem Rhein befüllt und in einigen Jahrzehnten zu den größten Gewässern in ganz NRW gehören.

Mit Verabschiedung der Leitentscheidung zum vorgezogenen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung durch die NRW-Landesregierung im September 2023 ist klar, wo der See entstehen wird.

Denn durch die frühere Beendigung des Tagebaus haben sich Lage und Form des Sees erheblich verändert. Insgesamt hat sich die Lage gegenüber der ursprünglichen Planung deutlich verschoben. Er wird nun unmittelbar westlich an die Bundesautobahn 44n anschließen.

Der See wird über mehrere Jahrzehnte entstehen, rund 2.200 Hektar groß und über 160 Meter tief. Mönchengladbach, Jüchen, Grevenbroich, Bedburg, Titz und Erkelenz liegen in unmittelbarer Umgebung beziehungsweise an den Ufern des Sees, rund 450.000 Menschen leben im direkten Einzugsgebiet des Sees.

In der Planung: Nutzung des Sees

Der See wird, als Teil der Aufgabe der Rekultivierung, durch die Bergbautreibende RWE Power AG angelegt. Auch die Befüllung des Sees mit Nutzung von Rheinwasser über eine eigens gebaute Transportleitung wird durch RWE vorgenommen.

Parallel läuft 2024 durch den Zweckverband LANDFOLGE Garzweiler die Planung für die Nutzungskonzepte des Sees: Dabei geht es besonders um die möglichen Nutzungen des Sees selbst, des unmittelbaren Umfelds und um die Gestaltung der Uferbereiche. Diese werden in einem Masterplan entwickelt und zusammengeführt, der Anfang 2025 vorliegen soll.

Strukturkonzept für die Seeentwicklung mit dem Entwurfsstand aus dem Jahr 2020. Illustration: Dreiseitl

Masterplan zur Entwicklung des Sees: Was steckt dahinter?

  • Ein Masterplan ist ein umfassendes Planungsdokument, das strategische Entscheidungen und Maßnahmen für die langfristige Entwicklung eines bestimmten Gebiets festlegt.
  • Er dient als Leitfaden für die Gestaltung der räumlichen Veränderungen und er legt die zukünftigen Nutzungen fest und definiert, wo (bauliche) Projekte stattfinden sollen.
  • Das Planungsteam hat die Aufgabe, bestehende Ideen und Konzepte zu sammeln und zu aktualisieren, während es gleichzeitig neue Ideen entwickelt und ein zukünftiges Bild für die Entwicklung des Tagebaus Garzweiler erstellt.
  • Die Erstellung des Masterplans für die Nutzungen des Sees erfolgt durch die Fachbüros RHA Reicher Haase Assoziierte, Club 94 sowie Project M gemeinsam mit Fachleuten aus den Kommunen und Landesbehörden.
  • Die Projektleitung liegt bei Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher.

Öffentliche Beteiligung

Für den Masterplan werden die bestehenden Ideen und Konzepte zusammengetragen und an die neuen Gegebenheiten angepasst, die durch den von 2038 vorgezogenen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung entstanden sind. Auch die Menschen in den Anrainerkommunen des Tagebaus sind in die Entwicklung eingebunden. Dazu dienen eine offene Online-Befragung sowie verschiedene Veranstaltungen, die im Rahmen der Erstellung des Masterplans durchgeführt werden. Zuletzt fand im Mai 2023 eine Planungswerkstatt mit fast 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Eindrücke von der öffentlichen Veranstaltung in der Stadthalle Erkelenz:

Von der Online-Befragung über die Planungswerkstatt bis zur Präsentation des Masterplan: Ideen und Anregungen aus der öffentlichen Beteiligung fließen in den Masterplan Seeentwicklung mit ein. Die Schritte der Beteiligung im Einzelnen:

Vom 15. April bis 6. Mai 2024 fand im ersten Schritt eine offene Online-Befragung statt.

Dabei ging es um verschiedene Aspekte rund um die Entwicklung des Sees. Wichtige Fragen waren:

  • Welche Nutzungen und Angebote sollen zukünftig am See entstehen?
  • Wie wird das Ufer des Sees gestaltet sein? Welche Wege gibt es zum See und am See?
  • Wo sollen sich Landschaft und Natur frei entfalten?
  • Welche wirtschaftlichen Nutzungen oder Freizeitaktivitäten sollen in der Landschaft stattfinden?
  • Wo kann zukünftig Platz für neues Wohnen und Gewerbe entstehen?
  • Wo und wie werden zukünftig Erneuerbare Energien produziert?

Am 21. Mai 2024 fand in der Erkelenzer Stadthalle eine Planungswerkstatt statt, in der Ideen zum Arbeitsstand des Masterplans und Rückmeldungen aus den Anrainerkommunen gesammelt und diskutiert wurden. Mehr erfahren über die Veranstaltung unter diesem Link.

Im Zuge der weiteren Erarbeitung des Konzeptes werden im Herbst 2024 geführte Touren mit der Bürgerschaft der Anrainerortschaften zur Diskussion von Detailplanungen im Umfeld des zukünftigen Sees stattfinden.

Die Präsentation der Masterplanung erfolgt schließlich ebenfalls öffentlich und wird selbstverständlich auch im Internet abrufbar sein.

Langfristige Planungen für die gesamte Region

Die Ergebnisse der Online-Befragung geben den beteiligten Planungsbüros, dem Zweckverband sowie den Städten und Gemeinden im Umfeld des Tagebaus wichtige Hinweise für die weiteren Konzeptentwicklungen. Sie fließen in die Erarbeitung des Masterplans ein.

Die breite Beteiligung der Bevölkerung dient dazu, Ideen und Meinungen für die Raumentwicklung zu sammeln. Denn nach dem Tagebau entstehen neue Landschaften, die das Gesicht der gesamten Region vollständig verändern: Aus Städten und Gemeinden am Tagebau werden Städte und Gemeinden am See. Besonders für jüngere Menschen, die auch künftig in der Region leben, wohnen, arbeiten werden, bringen die kommenden Jahrzehnte sehr große Veränderungen in ihrer Heimat.

Schrittweise Entstehung des Sees

Auch wenn die vollständige Befüllung des Sees drei bis vier Jahrzehnte dauern wird, sind die Etappen bis dahin schon viel früher erkennbar: Nach Ende des Tagebaus voraussichtlich 2030 folgt geplant ab 2036 die Befüllung des Sees unter anderem mit Wasser aus dem Rhein.

Bereits rund fünf Jahre nach Beginn der Befüllung wird die Fläche des Sees ein Drittel der Ausdehnung haben, die er am Ende hat. Erste Nutzungen des Sees sind voraussichtlich rund zehn Jahre nach Start der Seebefüllung möglich. Das heißt: Es geht im Masterplan nicht nur um die Frage, wie der See in seinem endgültigen Planungszustand genutzt werden kann, sondern auch um den Weg bis dahin während des allmählichen Wasseranstiegs.

Quelle: Perspektive LAND GERMANY GmbH

ANSPRECHPARTNERIN

Julia Mulder

Projektmanagerin

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