08.09.2026
„Von Rheinbraun nach Grün-Blau“: Perspektiven für die Entwicklung nach dem Tagebau
Landschaften im Wandel: 100 Fachleute in Jüchen zu Gast / Diskussionen über Zukunftsbilder und konkrete Projekte für die Gestaltung und Nutzung neuer Landschaften / Tagung der Stiftung „Die Grüne Stadt“ gemeinsam mit Zweckverband LANDFOLGE Garzweiler, Deutscher Bundesgartenschau-Gesellschaft sowie dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW

Foto: Wolfgang Walter
Wie entwickelt sich die Landschaft nach Ende des Tagebaus Garzweiler? Welche Perspektiven gibt es für die Landschaftsgestaltung, welche für die neuen Räume und für die Menschen der Region? Hundert Fachleute der so genannten Grünen Branche aus Garten- und Landschaftsbau, Landschaftsarchitektur sowie Raumplanung und Freiraumentwicklung, diskutierten solche und viele weitere Fragen im Rahmen der Fachtagung „Von Rheinbraun nach Grün-Blau – Jahrhundertaufgabe Tagebaufolgelandschaft“. Unter den Gästen waren ferner Expertinnen und Experten aus dem Tourismus, der Wirtschaftsförderung sowie dem Strukturwandel. Veranstaltet wurde die Konferenz durch die Stiftung „Die Grüne Stadt“, den Zweckverband LANDFOLGE Garzweiler, die Deutscher Bundesgartenschau-Gesellschaft sowie den Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW.
Hintergrund der Konferenz: Der Braunkohletagebau im Rheinischen Revier hat die Landschaften der Region seit Jahrzehnten massiv verändert und wird auch nach Beendigung des aktiven Tagebaus die Landschaft prägen. Neue Landschaften entstehen und bieten Chancen für neue Nutzungen, allen voran drei große Seen, in Garzweiler mit einer Größe von 2.200 Hektar. Speziell am Tagebau Garzweiler gibt es durch die Kommunen und den Zweckverband LANDFOLGE Garzweiler neben vielen Projekten auch konkrete Planungen für die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2037. Durch die Planungen für die entstehenden Seen und die IGA 2037 stößt die Transformation auf Interesse und besitzt Bedeutung weit über die Region hinaus. Dies unterstrich Staatssekretär Viktor Haase aus dem NRW-Umweltministerium in seinem Grußwort. Er forderte die Teilnehmenden dazu auf, die Kompetenz der Grünen Branche für die Entwicklung gemeinsamer Zukunftsprojekte gezielt einzusetzen.
Menschen für Zukunftspläne begeistern
Auch Verbandsvorsteher Stephan Muckel hob die einzigartige Dimension der anstehenden Veränderungen hervor: „Von Rheinbraun nach Grün-Blau – der Titel der Konferenz hätte nicht besser gewählt sein können. Der Braunkohletagebau hat aber nicht nur Spuren in der Landschaft hinterlassen, sondern auch in den Köpfen der Menschen. Projekte wie die IGA 2037 tragen dazu bei, Menschen für den anstehenden Wandel zu begeistern.“ Genau das sei eine wichtige Aufgabe für alle Akteurinnen und Akteure in der Region.
Der Geschäftsführer des Zweckverbands LANDFOLGE Garzweiler Volker Mielchen machte die große Herausforderung des langen Planungszeitraums deutlich: „Unsere Zukunftsplanungen umfassen in etwa die kommenden vier Jahrzehnte. Wir werden diese Pläne regelmäßig überprüfen und möglicherweise nachjustieren.“ Die Region verlasse sich auf das beschlossene Ende der Braunkohleverstromung in NRW spätestens 2033 und den Beginn der Befüllung mit Rheinwasser Anfang 2036. Er ergänzte: „Die Nutzung des Restlochs als See ist ohne Alternative. Darauf fußen unsere Konzepte auch für großflächige blau-grüne Infrastruktur.“
Folgelandschaften bieten vielfältige Chancen
Das Programm der ganztägigen Konferenz war breit gefächert. So diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beispielsweise Fragen der Klimafolgenanpassung in der Raum- und Siedlungsentwicklung. Philipp Sieben, Bürgermeister von Jüchen, machte das am Beispiel des neuen Stadtteils Jüchen-Süd deutlich: „Wir haben als Kommune durch den Tagebau sehr große Flächen verloren, die jetzt neu entstehen. So nutzen wir für Jüchen-Süd rekultivierte Flächen des Tagebaus, verfolgen das Konzept der Schwammstadt und planen einen klimaneutralen Stadtteil für mehrere tausend Menschen mit großen, zentralen Grünflächen und nur in Ausnahmen erforderlichem motorisierten Individualverkehr.“
Breiteren Raum nahmen in den Diskussionen Perspektiven für den Tourismus, neue Qualitäten des Wirtschaftsstandorts sowie die Flächenkonkurrenz im eng bemessenen Raum des Rheinischen Reviers ein – Stichwort Siedlungsdruck, fehlende Gewerbeflächen und Landwirtschaft. Auch die Frage, wie entstehende Landschaften neue Identität für die Menschen stiften sowie kulturelle Bedeutung entwickeln können, wurde diskutiert. Im Fokus stand dabei immer die entstehende blau-grüne Infrastruktur mit dem großen See.



