Perspektive See Vision LAND

Internationale Gartenausstellung 2037:

 

Motor für Strukturwandel und Revitalisierung der Räume

 

Der Braunkohletagebau Garzweiler gehört zu den drei großen, aktiven Tagebaugebieten im Rheinland – noch. Denn das Ende der Braunkohleverstromung ist beschlossen. Damit gewinnt die Frage mehr und mehr an Bedeutung: was kommt danach?

 

Szenarien für die Zukunft entwickeln

Der beschleunigte Ausstieg aus der Braunkohleverstromung – aktuell geplant für das Jahr 2030 im Rheinland – löst für das Tagebauumfeld Garzweiler einen tiefgreifenden Strukturwandel aus. Maßnahmen zur Wiedernutzbarmachung und Rekultivierung der Landschaften bis hin zur Anlage des Tagebausees werden erheblich früher erfolgen, als es ursprünglich vorgesehen war.

Darüber hinaus wird die Region die wirtschaftlichen Folgen der Beendigung des Bergbaubetriebes zu bewältigen haben, die von einer vorsorgenden regionalen Struktur- und Arbeitsmarktpolitik aufgenommen werden müssen.

Rekultivierung der Flächen für Landwirtschaft und Biodiversität und Bewältigung des wirtschaftlichen Strukturwandels sind somit zentrale Aufgaben für die kommenden Jahrzehnte. Damit einher gehen die Schaffung neuer Infrastrukturen, die Revitalisierung der Siedlungen im unmittelbaren Tagebauumfeld sowie die Erschließung neuer Standorte zum Leben, Wohnen, Arbeiten. Und dies alles vor dem Hintergrund der unverzichtbaren Ausrichtung auf eine klimaneutrale, ressourcenschonende und nachhaltige Zukunft.

In den zurückliegenden Jahren hat der Zweckverband bereits die wesentlichen Szenarien und Aufgaben für und gemeinsam mit seinen Mitgliedskommunen Mönchengladbach, Erkelenz, Grevenbroich, Jüchen und Titz entwickelt – als Drehbuch für die Zukunft der Folgelandschaften.

Planungen laufen über mehrere Jahrzehnte

Die Arbeit des Zweckverbandes LANDFOLGE Garzweiler ist geprägt von der Entwicklung, Ausgestaltung und Umsetzung verschiedener Projekte, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Insgesamt umfasst der Tagebau Garzweiler und damit der künftig zu gestaltendende, neue Raum eine Fläche von rund 100 Quadratkilometern.

Bereits seit 2017 laufen im Zweckverband die Planungen für Strukturwandelprojekte. Diese sind teilweise in ihrer Umsetzung – unter anderem was die Entwicklung neuer Siedlungsflächen oder Infrastruktur angeht – auf mehrere Jahrzehnte angelegt. Ein Beispiel zur Landschaftsgestaltung: Nach Beendigung der Braunkohleverstromung in den 2030er Jahren wird voraussichtlich ab Mitte des kommenden Jahrzehnts die Befüllung des Restsees mit einer Fläche von über 2.200 Hektar beginnen. Allein diese Seebefüllung wird mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

IGA 2037: Abschluss – Anfang – Aufbruch

Vor diesem Hintergrund ist es für die Menschen und die Akteure in der Region bedeutsam, zeitliche Ankerpunkte zu schaffen, an denen Ergebnisse, weitere Planungen und konkrete Perspektiven aufzeigt werden können. Einen solchen zeitlichen Anker kann die Durchführung einer Internationalen Gartenausstellung (IGA) in der Region bilden.

Die IGA könnte eine zeitliche Zielmarke im anstehenden Strukturwandel mit der Rekultivierung der Landschaften darstellen: Nach dem

  • Abschluss der Braunkohleverstromung und des aktiven Kohlebergbaus könnte die IGA im Rheinland einen
  • Anfang für die Gestaltung wesentlicher Zukunftsprojekte für die Menschen in der Region darstellen, und damit für den
  • Aufbruch in die Zeit nach dem aktiven Bergbau ein kraftvoller Motor sein.

Leistungsschau der Landschaftsgestaltung: Über 150 Jahre IGA

1869 fand in Hamburg erstmals eine IGA in Deutschland statt. Sie dauerte seinerzeit zehn Tage und fand im Elbpark statt. In dieser Tradition finden bis heute in Deutschland neben der Bundesgartenschau im Rhythmus von zehn Jahren internationale Gartenausstellungen statt. Die nächste IGA findet 2027 in der Metropolregion Ruhr statt. Die Macherinnen und Macher stellen in den Mittelpunkt die Frage: Wie wollen wir morgen leben?

Die Planungen für eine mögliche IGA 2037 im Gebiet des Zweckverbandes LANDFOLGE Garzweiler würden einerseits an die mehr als 150-jährige Tradition der IGA in Deutschland anschließen, gleichzeitig jedoch in einem einzigartigen Raum zu einem einzigartigen Zeitpunkt die Möglichkeiten nutzen, die sich im Tagebauumfeld ergeben. Denn dort sind zu diesem Zeitpunkt Landschaften noch im wörtlichen Sinne in Bewegung und werden neue Lebensräume geschaffen.

2037 bietet sich im Tagebauumfeld Garzweiler die einmalige Gelegenheit, ein Fenster für den Blick in die Zukunft der Landschaftsgestaltung, des Bauens, Wohnens und Arbeitens sowie des Lebens in grünen urbanen Räumen zu öffnen. Und das alles in einer faszinierenden Region, die nach Jahrzehnten der Nutzung für den Kohlebergbau eine einzigartige Topografie und Geländebeschaffenheit besitzen wird.

Eine vorliegende Machbarkeitsstudie „Auf dem Weg zur IGA 2037“ vom November 2022 beschreibt den Ansatz, die thematische Ausrichtung und das große Potenzial, das eine IGA Garzweiler besitzen kann

Dezentrales Ausstellungskonzept IGA 2037

Die Machbarkeitsstudie des Zweckverbandes basiert auf einem dezentralen Konzept, das den Raum Garzweiler an verschiedenen Punkten für die Besucherinnen und Besucher erschließt. Im Zentrum befindet sich nach derzeitigen Planungsideen der künftige See, dessen Befüllung 2037 voraussichtlich gerade gestartet wurde. Hauptstandorte der IGA könnten der Studie folgend Jüchen sowie Mönchengladbach-Wanlo zusammen mit der Erkelenzer Ortschaft Keyenberg werden. Beide Standorte zeichnen sich unter anderem auch durch eine sehr gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei individueller Anreise aus.

Die Machbarkeitsstudie nennt als weitere bedeutende Ausstellungsräume der IGA Jackerath in der Landgemeinde Titz sowie die Industrie- und Kraftwerksstandorte Frimmersdorf in Grevenbroich und schließlich Erkelenz-Holzweiler mit dem geplanten Dokumentationszentrum Tagebau Garzweiler. Jeder dieser Standorte wird einen eigenen thematischen Schwerpunkt erhalten, so dass für Reisende auch ein mehrtätiger Besuch der IGA lohnenswert wird.

Leitthemen der IGA wären neben dem entstehenden See mit einer Tiefe von rund 165 Metern

  • die Gestaltung klimaneutraler, urbaner Räume,
  • die Darstellung produktiver, klimaresilienter Landschaften und
  • das klassische Motiv des Gartens in zeitgemäßer Interpretation unter Berücksichtigung der Historie des Braunkohlebergbaus und der Energieerzeugung in der Region.

Synergien nutzen: IGA eingebettet in Konzepte für das gesamte Rheinische Revier

Der Raum für die geplante IGA 2037 ist auch unter einem anderen Gesichtspunkt gut gewählt: In einem Einzugsgebiet von rund 30 Minuten Fahrzeit mit Bahn, Bus odere Pkw leben rund 3 Millionen Menschen, weitet man diesen Radius auf rund 60 Minuten und damit weite Teile der Grenzregionen, des Rheinlands und Ruhrgebiets aus, sind es bereits 12 Millionen Menschen, die eine IGA 2037 erreichen wird.

Damit wird die IGA auch zum Wirtschafts- und Standortfaktor für die gesamte Region weit über die Grenzen des Zweckverbandes hinaus. Dies berücksichtigen die bisherigen Planungen konzeptionell an einer weiteren Stelle: Denn parallel läuft für das gesamte Rheinische Braunkohlerevier mit den Tagebaugebieten Inden, Hambach und Garzweiler aktuell die Umsetzung für eine Internationale Bau- und Technologieausstellung, die ihrerseits räumlich dezentral und mit drei zeitlichen „exPOSITIONEN“ ab 2026 stattfinden wird.

Für 2038 sollen zukunftsweisende und nachhaltige Lösungen in Architektur, Städtebau, Landschafts- und Raumentwicklung für den Tagebau Garzweiler und sein Umfeld präsentiert werden. In diesem Sinne würde sich die IGA Garzweiler als „Landschafts-EXPO“ nahtlos in die IBTA einfügen.

IGA – wer steht dahinter?

Eine IGA ist eine internationale Leistungsschau des Garten- und Landschaftsbaus und seiner Fachverände. Neben Bundesbehörden und den ausrichtenden Kommunen ist die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) beteiligt. Hinter der DBG wiederum stehen der Zentralverband Gartenbau, der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau sowie der Bund deutscher Baumschulen.

Die Durchführung der IGA Garzweiler 2037 setzt einen breiten Konsenz in der Region und breite Untersützung durch die Politik auf kommunaler, regionaler und Landesebene voraus. Die Entscheidung über eine Bewerbung ist für das laufende Jahr 2023 geplant. Unmittelbar anschließend würden die konkreten Planungen für die Umsetzung starten.

Zum Herunterladen und Lesen: „Machbarkeitsstudie IGA Garzweiler 2037 – Auf dem Weg zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2037“, November 2022